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Digitale Semantik in der Bildkommunikation Vernetztes Denken und neuen Formen der Abstraktion.

Selfies und Fotos von allem Möglichen ersetzen Worte und verhalten sich wie digitale Piktogramme einer Online-Schrift. Neu dabei ist nicht, dass Bilder das können, sondern, dass mit Bildern schreiben mittlerweile im Mainstream angekommen ist. Im Zweifelsfalle ersetzt ein hochgeladenes Foto des Abendessens, jeden Kommentar zu einem ‚Dinner for two.‘

Werden Bilder zur ‚aufgeschriebenen Bildsprache‘, so stellt sich die Frage nach den Regeln dieser Bilderschrift, ihrer Grammatik. Grammatik ist aus dem Altgriechisch Übersetzt, die „Kunst des Schreibens“ und bezeichnet in der Linguistik jede Form einer systematischen Sprachbeschreibung.

Eine visuelle Grammatik legt fest, wie der Rezipient die Abbildung erfährt und Schlüsse daraus zieht, von denen er überzeugt ist, basierend auf dem Gesehenen, unbeeinflusst seine eigene Meinung gebildet zu haben. 

Die Suggestiv-Kraft der Bildsprache ist sehr ausgeprägt, da es recht offensichtlich erscheint, was auf dem Bild zu sehen ist, sofern man es zu erkennen vermag. 

Die technische Transmutation, die ein Bild im Netz erfährt, generiert eine eigene Bildsprache. Hochgeladene Fotos wandeln sich in Symbole, formulieren so quasi als komplexe Emoji der Netzwelt, dass, was bis vor kurzem die Domäne der Buchstabenschrift gewesen ist. Eine neue Literatur ist gerade im entstehen.

Es ist eine Herausforderung an die Kunst – und nicht nur für diese – die virtuell gewordene Bildlawine, also den Versuch von Individuen, Unternehmen, Organisationen und vielen anderen mehr, in Bilden zu kommunizieren, aufzuarbeiten. Darum ist es erforderlich, die Elemente der visuellen Kommunikationsmittel zu entschlüsseln und deren Syntax aufzuzeigen. Visuelle Grammatik ist weit stärker Kontext bezogen als herkömmliche Schrift. Ort und Art der Übermittlung der Bildinformation sind dabei wichtiger als bei geschriebenen Texten und sind ein elementarer Teil ihrer visueller Grammatik. In gewisser Weise bildet der Rahmen um das Bild herum eine Interpretationsebene, die den gesehenen Bildinhalt kommentiert. Die Bildkomposition tritt dagegen in den Hintergrund. Technische Artefakte, also von Software und Übertragungs- und Verschlüsselungsform bedingte Informationsverzerrungen/Verfälschungen der Bildinformation spielen deshalb durchaus eine Rolle. 

Bilder wie eine Schrift zu verwenden ist erst möglich, seit moderne Kommunikationsmittel wie Mobiltelefone, Computer und die notwendige Infrastruktur wie das Internet, Flächendeckend zur Verfügung stehen. Der Rahmen der Kommunizierten Bilder ist somit heute ein Flachbildschirm und am häufigsten der Bildschirm eines Mobiltelefons. Die Bilder, die wir darauf betrachten werden praktisch auf unserer Handfläche abgebildet. Ein Vorgang, der sowohl einen unmittelbaren, wie auch persönlichen Moment besitzt. Egal was es ist, ich sehe es auf meiner Handfläche. Mein Handy, mein Bild. Und ich vertraue dem was ich sehe. Und wenn nicht, dann habe ich Angst davor, weil es sich direkt in meiner Privatsphäre, meiner Hand manifestiert.

Definition von Kunst laut Wikipedia in ASCII-Codierung

Digitaldruck auf Stoffbahn;  Kunstbezirk Stuttgart

Orte für Kunst und Kultur,  weitgehend gegründet von den bürgerlichen Eliten des 18. Jahrhunderts, erleben eine neue Revolution. Der Begriff ‘Kunstmuseum’ wird gerade neu geschrieben. Verpackung, Mode, Schmuck, Typographie, Auto, Möbel, – Die Liste lässt sich endlos erweitern, sind gleichberechtigter Ausdruck künstlerischer Genialität. Geschichte und Gegenwart. Alles ist Kunst. 

Sagte Joseph Beuys. Das trifft heute mehr denn je zu. Der Wunsch nach Ausdruck jeglicher Form ist fest im gesellschaftlichen Handeln seiner Individuen verankert. Dennoch: Beuys sagte nicht, was ein Künstler ist.

Wird Künstler  =  jeder Mensch gesetzt, ist Künstler ein weiteres Synonym für ‘alle Menschen’ und alle menschlichen  Handlungen und Taten sind ‘Kunst’, da alle Menschen Künstler sind.

Politik, Technik, Religion, Wissenschaft, Kriege und was auch sonst noch einem Individuum und/oder Kollektiv aus Menschen zugeordnet werden kann ist dann ebenfalls KUNST.

Wie sinnvoll ist es Künstler = jeder Mensch zu setzen?

Physiker und Mathematiker bemühen sich das Ergebnis ‘Unendlich’ zu vermeiden. Unendlich, also ein Ergebnis, dass Allumfassend ist, bedeutet für sie:

‘Nichts ist beschrieben, da mit ‘Allumfassend’ nichts definiert ist.’

Laut Wikipedia ist Kunst ein menschliches Kultur­produkt, das Ergebnis eines kreativen Prozesses. Das Kunstwerk steht meist am Ende dieses Prozesses, kann aber seit der Moderne auch der Prozess selbst sein. Ausübende der Kunst im engeren Sinne werden Künstler genannt.

Sind alle Menschen Künstler, wird alles Kunst.

P.S.: Dieses ist keine Kritik an Beuys, sondern Ausdruck einer gewissen Verwunderung, dass inzwischen alle kreativ sind und Künstler sein wollen. Eine gewisse Abgrenzung gibt es noch zwischen Künstler und professionellen Künstler. Letztere sind diejenigen, die institutionalisierten Räumen (Museen) und auf dem Kunstmarkt (Galerien) präsent sind. Wobei Museen immer öfter Kunst und ikonographisches Produkt gleich setzen. Folglich rückt Design, Mode, Events stärker in den Fokus und werden als Kunst präsentiert.

Alles wird Kunst. Alles ist Kunst.

Verlieren Begriffe ihre Definitionsschärfe, verschwinden sie mit der Zeit.